Juergen Teller (* 1964 in Erlangen) ist ein deutscher Fotograf.
Leben
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Teller, der einer Geigenbauerfamilie entstammt, wuchs in Bubenreuth bei Erlangen auf und begann nach der Schule eine Bogenmacherlehre, die er jedoch aufgrund einer Stauballergie abbrach. Von 1984 bis 1986 studierte er an der Fachakademie für Fotodesign in München. Im September 1986 zog er, um der Wehrpflicht zu entgehen, nach London, wo er seitdem lebt und arbeitet. Durch den Fotografen Nick Knight kam er bald an Aufträge aus der Musikbranche und porträtierte Musiker wie die Cocteau Twins, Sinéad O’Connor und Morrissey für Plattencover. Ende der 80er Jahre begann Teller für Zeitgeist- und Modemagazine wie i-D, The Face und Arena zu fotografieren.
Er lernte die Stylistin Venetia Scott kennen, mit der er häufig zusammenarbeitete. Zusammen haben sie eine Tochter. Von 2003 bis 2018 war er mit der Kunsthändlerin Sadie Coles, Leiterin der Galerie Sadie Coles HQ, verheiratet.[1] Mit ihr hat er einen Sohn. 2021 heiratete er seine 1982 in Kaunas geborene Mitarbeiterin Dovile Drizyte.[2] Mit ihr hat er eine Tochter, Iggy Teller.[3]
Im Jahr 1991 bekam er die Gelegenheit, die noch unbekannte Band Nirvana auf ihrer Nevermind-Tour zu begleiten. Seine Porträts von Kurt Cobain wurden später berühmt.
Kennzeichnend für die Ästhetik seiner Arbeiten ist die gnadenlose Demaskierung von Scheinwelten und autobiografisch intime Darstellung von Motiven.[4]
Die 1996 im Auftrag des SZ-Magazins entstandene Fotoserie Versace-Heart, die in ungeschönten, quasidokumentarischen Aktaufnahmen des Models Kristen McMenamy die körperlichen Strapazen wiedergibt, die ein Mannequin bei der Arbeit an einer Modepräsentation durchzustehen hat, machte Teller endgültig zu einem der Stars der zeitgenössischen Fotografie. Auch in vielen anderen seiner Bilder entwickelt er die Idee einer unperfekten Schönheit; Supermodels werden nicht wie üblich perfekt stilisiert, sondern z. B. ungeschminkt, mit sichtbaren Hautunreinheiten und Narben oder in vordergründig ungeschickten Posen gezeigt. In den 1990er Jahren revolutionierte er die Modeszene und arbeitet seitdem für zahlreiche namhafte Labels. Seine Bilder sind oft stark autobiographisch geprägt, manche Werke wie z. B. Märchenstüberl zeigen seine Auseinandersetzung mit seiner Jugend und seiner Heimat.
Teller in Haarlem, 2003
Weitere Prominente, die Teller porträtierte, sind die Supermodels Kate Moss und Linda Evangelista und die Musikerinnen Courtney Love, Björk, PJ Harvey, und Patti Smith. 2004 hat er für Strenesse Boris Becker und Claudia Schiffer in Szene gesetzt. Für das Auktionshaus Phillips de Pury & Company, dessen Advisory Board er angehört, erstellte er für die Auktion Magnificient Jewels 2005 einen Katalog; dabei fotografierte er Mitglieder seiner Familie aus dem mittelfränkischen Bubenreuth auf komische Art und Weise.[5]
Seit Ende der 1990er Jahre erscheinen Tellers Bücher im Göttinger Steidl Verlag.
Von 2014 bis 2019 war er Professor[6] für Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.[7]
Juergen Teller arbeitet mit der Galerie Contemporary Fine Arts Berlin.
Werke
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Einzelwerke
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Juergen Teller. Taschen Verlag, Köln 1996, ISBN 3-8228-8310-7
Mit Michael Rutschky: Der verborgene Brecht. Ein Berliner Stadtrundgang. Scalo 1998, ISBN 3-931141-71-3
Go-Sees. Scalo 1999
Tracht. Lehmann Maupin 2001
More. Steidl, Göttingen 2002
Märchenstüberl. Ausstellungskatalog, Steidl 2002
Zwei Schäuferle mit Kloß und eine Kinderportion Schnitzel mit Pommes Frites. Steidl, 2003
Mit Charlotte Rampling: Louis XV. Steidl 2004
Nackig auf dem Fußballplatz. Steidl 2004
The Master. Steidl 2005
Louis XV (zusammen mit Charlotte Rampling), Steidl 2005
Nürnberg. Steidl 2004
Ohne Titel (zusammen mit: Cindy Sherman, Marc Jacobs). Steidl 2006
Do you know what I mean. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Actes-Sud / Thames & Hudson 2006
Vivienne Westwood, Steidl 2008
Election Day, Steidl 2009
Marc Jacobs – Advertising 1998–2009, Steidl 2009
The Master 2, Steidl 2010
The Master: v.2, Steidl 2010
The Master 3: v.3, Steidl 2010
Deste Fashion Collection, Steidl 2010
Zimmermann, Steidl 2010
The Keys to the House, Steidl 2012
Siegerflieger. Steidl, 2014
Enjoy your life! Mit dem Teller nach Bonn. Steidl, 2016
Handbags. Steidl, 2019
The Master IV. Steidl, 2019
50 Times Bonami and Obrist by Teller. (zusammen mit Francesco Bonami). Steidl, 2019
Plumtree Court. Steidl, 2020
More Handbags. Steidl, 2023
Auschwitz Birkenau. Steidl 2025
Plattencover (Auswahl)
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Kylie Minogue: Album Let’s get to it (1991)
Björk: US-Version der Single Big Time Sensuality (1993)
Elton John: Ain’t Nothing Like The Real Thing (mit Marcella Detroit, 1994); Wonderful Crazy Night (2016)
New Order: Get Ready (Album, 2001), 60 Miles an Hour (Single daraus) – eine Aufnahme von Nicolette Krebitz
sowie: Elastica, Hole, Cocteau Twins, Sinead O’ Connor, Everything but the Girl, Scritti Politti, Stereo MCs, PM Dawn, Terry Hall, Herbert Grönemeyer, Babaa Maal, Richie Rich, Neneh Cherry, Soul II Soul, Texas, Supergrass, Terranova, DJ Shadow, Fischerspooner
Werbekampagnen (Überblick)
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Strenesse, u. a. 2004 mit Boris Becker und Claudia Schiffer
Anna Molinari, Blumarine, Miu Miu, Comme des Garcons, Helmut Lang, Hugo Boss, Katharine Hamnett, Jigsaw, Yves Saint Laurent, Calvin Klein, „Eternity“ Commercials, Alberto Biani and Alessandro Dell' Aqua, Zucca, Marc Jacobs, Marc, Stussy, Shisedo, Louis Vuitton, Amex, Matsuda, Toyota, Calvin Klein Perfume, Rolex, Microsoft, Italian Telecom, Ungaro, Marc Jacobs Perfume, Adidas.
Filmprojekte (Überblick)
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Video Go-Sees, 2001
Werbefilm für Eternity (Calvin Klein), 2001 und 1996
Juergen Teller: Woo![8], Institute of Contemporary Arts, London, 2013.
Juergen Teller. Enjoy Your Life!, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, 2016; Martin-Gropius-Bau, Berlin 2017 (Kuratorin Susanne Kleine).
Living in the Real World, Museum Dhondt-Dhaenens, Belgium, 2000
Empresa Fotografica, Programa Centro de Arte, Mexiko-Stadt, 2000/2001
Century Cities. Tate Modern, London, 2001
Citibank Photography Prize 2003, u. a. Düsseldorf, 2003
The Fleeting Moment Between Photography and Cinema, Fondazione Torino Museum, Turin, Italien, 2003
Fashioning Fiction: Photography since 1990, MOMA, Museum of Modern Art, New York, 2004
Il Nudo, Galleria d’arte moderna di Bologna, Bologna, Italien, 2004
Das Gelände, Kunsthalle, Nürnberg, 2008
NOT IN FASHION. Mode und Fotografie der 90er Jahre, Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am Main, 2010[9]
Auszeichnungen
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Citibank Photography Prize 2003
Öffentliche Sammlungen
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Bank Hofmann AG, Zürich
Sammlung der Deutsche Börse Photography Foundation, Frankfurt a. M.
Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum, München
Frans Hals Museum, Haarlem
Museum Folkwang, Essen
Museum Morsbroich, Leverkusen
Sammlung F.c. Grundlach, Hamburg
MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt a. M.
Literatur
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Jörn Glasenapp: „To see more of Seymour: Juergen Teller und der modefotografische Dienst an der Wahrheit.“ In: Fotogeschichte, Jg. 25 (2005), H. 98, S. 45–48.
Jörn Glasenapp: Die deutsche Nachkriegsfotografie: Eine Mentalitätsgeschichte in Bildern. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2008, S. 352–373.
Einzelnachweise
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↑Biografie Juergen Teller (Memento des Originals vom 1. August 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/juergenteller.tumblr.com