From Wikipedia_de - Reading time: 5 min


Karl Jarres (* 21. September 1874 in Remscheid; † 20. Oktober 1951 in Duisburg) war ein deutscher Politiker (DVP) in der Weimarer Republik.
Nach dem Abitur am Gymnasium in Elberfeld studierte Jarres Rechtswissenschaften in Bonn, Berlin, London und Paris. Er war seit 1894 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Bonn[1][2] und seit 1919 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Münster.[3] 1897 wurde Jarres in Erlangen zum Dr. jur. promoviert. Er schlug eine Verwaltungslaufbahn ein und wurde 1901 Stadtassessor bei der Stadt Düren. 1903 wählte man ihn dort zum Beigeordneten. 1906 wechselte er zur Verwaltung der Stadt Köln und war von 1910 bis 1914 Bürgermeister von Remscheid, ab 1911 Oberbürgermeister. Anschließend war er von 1914 bis 1933 Oberbürgermeister von Duisburg. Mit der Wahl zum Oberbürgermeister erwarb er die gleichzeitige Mitgliedschaft für die Stadt Duisburg im Preußischen Herrenhaus.
1918 trat der vormalige Nationalliberale der rechtsliberalen DVP bei. Er wurde dem rechten Flügel der Partei zugerechnet. Beim Kapp-Putsch stand er auf Seiten der rechtmäßigen Regierung Bauer. Zu Beginn der Ruhrbesetzung 1923 wurde er ausgewiesen und, da er sich weigerte, Folge zu leisten, vor ein belgisches Kriegsgericht gestellt und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung galt er auf Grund seines Eintretens für die Politik des passiven Widerstands gegen die alliierten Besatzungsmächte sowie der Ablehnung separatistischer Tendenzen im Rheinland, der sogenannten „Versackungspolitik“, als „Held der Nation“. Für die Reichsregierung und die preußische Regierung war er ein Gewährsmann für die Reichseinheit und Verfechter antiseparatistischer Positionen.
Nachdem die Politik des passiven Widerstands gescheitert war, wurde er von Stresemann als Minister in das Reichskabinett berufen. So bekleidete er zusätzlich zum Oberbürgermeistersposten von 1923 bis 1924 das Amt des Reichsministers des Innern und des Vizekanzlers in den Kabinetten Stresemann II, Marx I und Marx II. Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 erhielt Jarres im ersten Wahlgang die meisten Stimmen (10.416.658 = 38,8 %), zog jedoch im zweiten Wahlgang seine Kandidatur zugunsten von Hindenburg zurück. Politisch stand er damals Gustav Stresemann nahe. Von 1920 bis 1933 gehörte er dem Provinziallandtag der Rheinprovinz an. Dieser wählte ihn im Mai 1921 in den Preußischen Staatsrat, dem er bis zu seiner Auflösung 1933 angehörte. 1933 wurde er von Ministerpräsident Hermann Göring in den neugeschaffenen Preußischen Staatsrat berufen, dem er bis 1945 angehörte.
Als Oberbürgermeister der Stadt Duisburg bemühte er sich vergebens um die Eingemeindung der linksrheinischen Orte Homberg und Rheinhausen, die erst 1975 zu Duisburg kamen. In einer Studie schlug er auch die Bildung einer Ruhrmündungsstadt vor. Er erreichte nur die Eingemeindung Hamborns 1929, so dass die Stadt kurzzeitig bis 1935 Duisburg-Hamborn hieß.
Den Nationalsozialisten stand Jarres kritisch gegenüber: Er sollte das Wedaustadion für eine Kundgebung der NSDAP zugänglich machen und verweigerte die Öffnung. Daraufhin soll es zu folgendem Wortwechsel mit einem Nationalsozialisten gekommen sein: „Es kommen aber unheimlich viele Leute! [Jarres erwidert] Sie meinen wohl: viele unheimliche Leute.“[4]
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor er alle politischen Ämter und betätigte sich in der Wirtschaft. Er war bis zu seinem Tod Aufsichtsratsvorsitzender mehrerer Unternehmen im Ruhrgebiet. Er war auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Klöckner Werke AG, mit dessen Eigentümer, dem Großindustriellen Peter Klöckner, er eng befreundet war. Des Weiteren war er Vorstandsmitglied verschiedener Industrieunternehmen wie beispielsweise der Demag AG und Vorsteher des Wasserverbandes Schwammenauel, der dort die Rurtalsperre baute.
Im Juli 1945 richtete er eine Denkschrift an den britischen Field Security Service. Anders etwa als Ernst Poensgen und vor allem Walter Rohland in ihren Schriften desselben Jahres räumte er darin offen die Verführung der deutschen Bevölkerung durch nationalsozialistische Gedanken ein. Er gilt neben seinem Konkurrenten Konrad Adenauer als einer der „großen rheinischen Oberbürgermeister“.
Jarres starb am 20. Oktober 1951 in Duisburg und wurde zunächst in der Familiengrabstätte in Remscheid beigesetzt. 1966 wurde er auf den Duisburger Waldfriedhof umgebettet.[5]
Seit 1903 war Jarres mit Freya Schüll (1880–1945), der Tochter eines Dürener Papierfabrikanten, verheiratet. Seine 1904 geborene Tochter Lotte heiratete später den deutschen Kunsthistoriker Herbert von Einem, die 1911 geborene Lore hieß nach ihrer Eheschließung Kruse-Jarres.[6]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jarres, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Deutsche Volkspartei) in der Weimarer Republik |
| GEBURTSDATUM | 21. September 1874 |
| GEBURTSORT | Remscheid |
| STERBEDATUM | 20. Oktober 1951 |
| STERBEORT | Duisburg |