Die Ortsgemeinde liegt zwischen Neuerburg und Arzfeld auf einer weithin sichtbaren Hochebene in der Südeifel, etwa 15 km östlich der Staatsgrenze zu Luxemburg.
Zur Ortsgemeinde Krautscheid gehören die Ortsteile Ringhuscheid mit dem Wohnplatz Sauerwies, Krautscheid mit dem Wohnplatz Beim Gemeindewald und Bellscheid.[2]
Krautscheid grenzt im Norden an Lauperath, im Osten an Niederpierscheid und Oberpierscheid, Berkoth und Uppershausen im Süden sowie Arzfeld im Nordwesten.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die erste gesicherte Erwähnung des Orts unter dem Namen „Kruisscheit“ stammt von einem Kaufvertrag aus dem Jahr 1231. In diesem wird ein Walterus sacerdos de Kruisscheit (Priester Walter zu Krautscheid) als Zeuge genannt.[3][4]
Bis 1794 gehörten die drei heute zur Gemeinde gehörenden Ortschaften Bellscheid, Krautscheid und Ringhuscheid zur luxemburgischen Herrschaft Neuerburg. Krautscheid war Hauptort einer Meierei, diesem Verwaltungs- und Gerichtsbezirk gehörten neben Krautscheid auch die Ortschaften Bellscheid, Hölzchen, Mauel, Niederpierscheid, Oberpierscheid, Ringhuscheid, die Höfe Windhausen und Wehrhausen und einen Teil von Arzfeld an.[5]
Die Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen beendete die alte Ordnung. Während der französischen Verwaltung (1795–1814) wurden die drei Ortschaften von der Mairie Ringhuscheid verwaltet, die zum Kanton Arzfeld des Arrondissements Bitburg (Bitbourg) im Departement der Wälder gehörte.[6]
Nach der Niederlage Napoleons kamen die Orte aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen zum Königreich Preußen. Unter der preußischen Verwaltung gehörte sie zunächst zur Bürgermeisterei Ringhuscheid im Kreis Prüm, von 1854 an zur Bürgermeisterei Waxweiler (1927 umbenannt in Amt Waxweiler).[6]
Als Folge des Ersten Weltkriegs war die gesamte Region dem französischen Abschnitt der Alliierten Rheinlandbesetzung zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die drei Orte innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1973 aus den aufgelösten Gemeinden Krautscheid (damals 97 Einwohner), Bellscheid (46) und Ringhuscheid (159) neu gebildet.[7]
Bevölkerungsentwicklung
Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Krautscheid bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[8]
Der Gemeinderat in Krautscheid besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Peter Pusch wurde 2014 Ortsbürgermeister von Krautscheid.[12] Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 65,2 Prozent für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.[13]
Puschs Vorgänger Oswald Keschtges hatte das Amt nach einer im Dezember 2007 gegen Mitbewerber Pusch gewonnenen Stichwahl übernommen,[14] konnte sich bei der Kommunalwahlen 2014 aber nicht erneut gegen ihn durchsetzen.[12] Im Jahr 2007 hatte der bisherige Ortsbürgermeister Ralf Leonardy sein Amt niedergelegt.[15]
Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Blasonierung: „Von Silber über Rot geteilt, oben eine flugbereite schwarze Rabenkrähe, unten ein silberner, in drei Lindenblätter austreibender Baumstumpf“[16]
Wappenbegründung: Das Wappen zeigt ein „Redendes Wappen“. Die Farben sind Silber und Rot. Im oberen Feld ist eine schwarze auffliegende Krähe mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt, im unteren Feld ein silberner Baumstubben, aus dem durch Stockausschlag neues Leben in Form von drei neuen Stämmchen, die in je einem Lindenblatt enden, sprießt. Der Baumstubben symbolisiert die Waldrodung, wodurch die drei Orte entstehen konnten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 2021) sind folgende Kulturdenkmäler ausgewiesen:[17]
Denkmalgeschützte Kirche St. Valentin – mit St. Apollonia und St. Gertrud – aus der Mitte des 18. Jahrhunderts
Hoher Bildstock aus rotem Eifelsandstein von 1781 ⊙50.064726.33161
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Krautscheid
Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Jakobsweg durch Krautscheid nach Santiago de Compostela (Spanien); Krautscheid befindet sich auf dem Weg von Köln/Bonn über Trier nach Schengen mit Übernachtungsmöglichkeiten.[19][20]
Hüttenbrennen am ersten Wochenende nach Aschermittwoch (sogenannter Scheef-Sonntag)[21][22]
Mehrmal jährlich finden hier im Laachental Motorsport-Veranstaltungen (Stock-Car und Autocross) statt. Die ersten Rennen wurden 1969 durchgeführt und ziehen Besucher aus weitem Umkreis an.[23]
Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Krautscheid
Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Krautscheid ist eine landwirtschaftlich geprägte Wohngemeinde. 62,7 % des Gemeindegebietes werden landwirtschaftlich genutzt, 28,8 % sind von Wald bestanden (Stand 2019).[8] Seit 1971, als noch 48 landwirtschaftliche Betriebe gezählt wurden, hat die landwirtschaftlich genutzte Fläche allerdings von 603 ha auf 420 ha (2010) abgenommen, die zu dieser Zeit von neun Betrieben bewirtschaftet wurden.[24] Der Strukturwandel setzt sich weiter fort, im Jahre 2019 wurden noch vier Haupt- und zwei Nebenerwerbsbetriebe gezählt. Im gleichen Jahr gab es in Krautscheid zwei Handwerksbetriebe und fünf aus dem Dienstleistungsbereich, darunter zwei Gastronomiebetriebe und ein Seminarhaus.[25]
Die Ortsgemeinde ist Standort einer Freiwilligen Feuerwehr.
Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Ort liegt am Kreuzungspunkt mehrerer Landes- und Kreisstraßen (L 9 und L 10, sowie K 50 und K 61). Die nächste Autobahn-Anschlussstelle Waxweiler/Schönecken liegt 10 km östlich an der Bundesautobahn 60.
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ernst Wackenroder (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Prüm (= Paul Clemen [Hrsg.]: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band12/II). Trier 1983, ISBN 3-88915-006-3, S.175 (222 S., Mit 9 Tafeln und 185 Abbildungen im Text. Nachdruck der Ausgabe Schwann, Düsseldorf 1927).
↑Philipp de Lorenzi: Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier. Bischöfliches General-Vikariat, Trier 1887, S. 629 (www.dilibri.de)
↑Heinrich Beyer: Mittelrheinisches Urkundenbuch, Band III, Coblenz: Hölscher, 1874, S. 352, Urkunde 447 (www.dilibri.de)
↑Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band393). Bad Ems März 2006, S.183 (PDF; 2,6 MB).Info: Es liegt ein aktuelles Verzeichnis (2016) vor, das aber im Abschnitt „Gebietsänderungen – Territoriale Verwaltungsreform“ keine Einwohnerzahlen angibt.
↑ abVerbandsgemeinde Arzfeld mit Überraschungen. In Krautscheid verlor Amtsinhaber Oswald Keschtges mit 44,74 Prozent gegen Peter Pusch (55,26). In: Trierischer Volksfreund. Trierischer Volksfreund Medienhaus GmbH, Trier, 25. Mai 2014, abgerufen am 1. Januar 2022.
↑Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 1. Januar 2022 (siehe Arzfeld, Verbandsgemeinde, 18. Ergebniszeile).@1@2Vorlage:Toter Link/www.wahlen.rlp.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven.)
↑Oswald Keschtges gewinnt Stichwahl. In: Trierischer Volksfreund. Trierischer Volksfreund Medienhaus GmbH, Trier, 2. Dezember 2007, abgerufen am 1. Januar 2022.
↑Wappen von Krautscheid (Memento vom 29. April 2018 im Internet Archive). In: Eifel aktuell – Bürgerzeitung für den Bereich der Verbandsgemeinde Arzfeld, Ausgabe 5/2011 vom 5. Februar 2011
↑Frank Auffenberg: Die braune Hölle des Islek. 50 Jahre Motorsport im Laachental bei Krautscheid. In: Trierischer Volksfreund. Trierischer Volksfreund Medienhaus GmbH, Trier, 10. April 2019, abgerufen am 1. Januar 2022.