Tengern ist ein Ortsteil der Gemeinde Hüllhorst in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Minden-Lübbecke. Ortsvorsteher ist seit 2014 Karl-Heinz Kröger (CDU).
Geschichte
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Erste urkundliche Erwähnung
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Am 10. März 1151 bestätigte Bischof Bernhard I. von Paderborn dem „St. Marienstift auf dem Berge bei Herford“, dass die Herforder Äbtissin Godesti Güter aus verschiedenen Orten, unter anderem auch „Thinighe“, dem Kloster übertragen hat. Diese Urkunde des Bischofs liegt als beglaubigte Abschrift von Ende des 14. Jahrhunderts dem Staatsarchiv Münster vor und ist die erste bekannte Erwähnung Tengerns.
Frühere politische Zugehörigkeit
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Tengern gehörte vom Hochmittelalter bis 1648 zum Hochstift Minden, welches dann als weltliches Fürstentum Minden an Brandenburg-Preußen fiel. Kirchlich gehörte der Ort zum Kirchspiel Schnathorst, verwaltungsmäßig seit dem 16. Jahrhundert zur Vogtei Schnathorst im Amt Reineberg des Fürstentums Minden.
Feuersbrunst
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Am frühen Nachmittag des 26. April 1726 löste ein 16-jähriger Junge einen Großbrand aus. 42 der 46 in Tengern vorhandenen Häuser wurden zerstört, darunter 17 Wohnhäuser und das erst 1720 erbaute Schul- und Bethaus, welches schließlich 1728/29 wiederaufgebaut wurde.
Spätere politische Zugehörigkeit
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Von 1807 bis 1810 gehörte Tengern zum Kanton Reineberg des napoleonischen Satellitenstaats Königreich Westphalen. Von 1811 bis 1813 gehörte der Ort unmittelbar zu Frankreich und dort zur Mairie Schnathorst im Kanton Quernheim des Arrondissements Minden im Departement der Oberen Ems.[2] 1813 kam Tengern wieder zu Preußen, das den Ort 1816 dem Kreis Bünde und 1832 dem Kreis Lübbecke zuteilte. 1844 wurde Tengern als politische Gemeinde dem neu gegründeten Amt Schnathorst (später Amt Hüllhorst) zugeordnet. Im Jahr 1906 wurde die Gemeinde Huchzen durch Ausgliederung aus Tengern (193 ha) neu gebildet.[3][4]
Sonstige historische Jahreszahlen
1894 Anlegung des Friedhofs
1922 Ehrenmal für Gefallene am Friedhof wird eingeweiht
1924 Gründung des SPD-Ortsvereins
1926 Gründung einer NSDAP-Ortsgruppe (die erste im Kreis Lübbecke)
1945 Am alten Spritzenhaus wird die Hitlereiche gefällt
1950 Erste traditionelle Mai-Feier der Dorfgemeinschaft
Am 1. Januar 1973 ging Tengern in der neuen Gemeinde Hüllhorst auf.[5] Im Jahr 1974 wurde die CDU-Ortsunion gegründet. Im Verlauf des Jahres 1976 wurden Straßennamen und neue Hausnummern eingeführt. Mit der Gebietsreform wurde die Gemeinde Huchzen wieder dem Ortsteil Tengern zugeordnet, es fand also in gewisser Weise ein Wiedervereinigung statt. Tengern konnte dadurch sein Gebiet von 4,2 auf 6,13 km² um rund 50 Prozent vergrößern. Die durchschnittliche Einwohnerdichte hingegen verringerte sich von 400 auf rund 292 Einw./km².
Einwohnerentwicklung
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1818: 0450 (mit Huchzen)
1947: 1507 (mit Huchzen)
1961: 1478 (mit Huchzen), 1374 (ohne Huchzen)
1970: 1668 (mit Huchzen), 1572 (ohne Huchzen)
1972: 1788 (mit Huchzen), 1681 (ohne Huchzen)
1973: 1783 (mit Huchzen)
2004: 2082 (mit Huchzen; 31. Dezember)
2006: 2038 (mit Huchzen; 31. Dezember)
Regelmäßige Veranstaltungen
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Maifeier der Dorfgemeinschaft in Tengern: Seit 1950 feiert die Dorfgemeinschaft in Tengern den Ersten Mai. Als Ausrichter wechseln sich im Zwei-Jahres-Takt die Löschgruppe Tengern der Freiwilligen Feuerwehr Hüllhorst und der Sportverein TuS Tengern ab. Die traditionelle Maifeier steht jedes Jahr unter einem anderen Motto.
Jahr und Motto
Jahr und Motto
1976: Wie es früher war
1977: Die gute alte Zeit in Märchen und Sagen
1978: Tengern im Wandel der Zeit
1979: Sitten und Gebräuche aus allen Ländern der Welt
1981: Tengern im Fernsehrausch
1982: Bunte Tierwelt
1983: Wir machen Urlaub
1984: Sprichwörter und Redensarten
1985: Unser schönstes Hobby
1987: Die schönen 60er Jahre
1988: Spukgeschichten und Streiche
1989: Freunde der Zeichentrickfilme
1990: 40 Jahre 1. Mai – 1950 bis 1990
1991: Immer Ärger mit der Technik
1992: Unser Dorf Tengern – Anekdoten und Dönnekes
1993: Tengern im Werberausch
1994: Tengern – Wir mochten Musik – von Charleston bis Techno
1995: Tengeraner Träume werden wahr
1996: Tengern macht Theater
1997: Pleiten, Pech und Pannen
1998: Tengern zwischen Tradition und Fortschritt
1999: Tengern – Ein Rückblick auf das vergangene Jahrtausend
2000: Stars von gestern und heute
2001: 850 Jahre Tengern
2003: Kulinarisches Tengern
2004: Tengeraner Märchenstunde
2005: Tengern und die größten Irrtümer der Welt
2006: Die Fußballwelt zu Gast in Tengern
2007: Tengern feiert Karneval
2008: Was Tengern noch braucht ...
2009: „Wilder Westen“ in Tengern
2010: Tengern sucht den Superstar
2011: Tengern macht eine Zeitreise
2012: Hollywood in Tengern
2013: Tengern macht eine Weltreise
2014: Alles, was Spaß macht
2015:
2016:
2017:
2018:
2019:
2020–2022:
2023:
2024:
2025: Festivalkult in Tengern
Wirtschaft und Infrastruktur
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Verkehr
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In Tengern treffen sich die Landesstraßen 773 (Löhner Str.) und 803 (Tengerner Str.). An der Kreuzung Löhner Str./Westerbach gibt es eine Lichtzeichenanlage.
Ansässige Unternehmen
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Jeans Fritz
JET Gruppe
Bildung
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In Tengern befindet sich eine Grundschule.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
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Evangelische Frömmigkeit
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Vor Ort organisiert der CVJM Jugendarbeit.[6] Gelegentlich wird zu Thomasmessen eingeladen. Die Gemeinde war in der offenen Phase eingeladen, sich an verschiedenen Stationen mit dem „Kreuz“ zu befassen.[7]
Bauwerke
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Altes Backhaus an der Schulstraße
Literatur
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Leben in Tengern – Gemeinschaft mit Tradition und Zukunft, Hüllhorst Dezember 2000, Herausgeber: Heimatverein Tengern-Huchzen e. V.
Seit 1425 – Kirchengemeinde Schnathorst, Hüllhorst 1980, Herausgeber: Kirchengemeinde Schnathorst
↑Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. (= Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volksforschung des LWL, Reihe 1, Heft 18.). Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8, S.286.
↑Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S.324f. (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1MB]).