Dem Evangelistarteil geht (auf fol. 59v/60r) ein doppelseitiges Herrscherbild voraus. Die linke Seite zeigt einen jugendlichen Herrscher, thronend zwischen den Aposteln Petrus und Paulus; darunter bringen vier weibliche Gestalten als Allegorien von Völkerschaften ihre Gaben dar. Auf der gegenüberstehenden Seite wird der Triumph der Tugenden über die Laster allegorisch veranschaulicht.
Die Bildausstattung wird der sogenannten Liuthar-Gruppe der Reichenauer Handschriften zugerechnet. Die Feindatierung innerhalb des ersten Viertels des 11. Jahrhunderts ist strittig. Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang paläografische Erkenntnisse sowie die ikonografische und stilkritische Einschätzung des Verhältnisses zum Evangeliar Ottos III. und zum Perikopenbuch Heinrichs II. Mit der kontroversen Diskussion geht die fragliche Identifizierung der Herrschergestalt im Repräsentationsbild einher, bei dem Porträt-Ähnlichkeit auszuschließen ist (Otto III. oder Heinrich II.?). Verfochten werden Datierungen „vor 1002“ (dem Todesjahr Ottos III.), „um 1010“ (vor oder zeitgleich mit dem Perikopenbuch Heinrichs II.) und „um 1020“ (nach dem Perikopenbuch).
Die unvollständig überlieferte Stifterinschrift auf dem (verlorenen) Einband dokumentiert die Schenkung des Kodex durch Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde an das Bamberger KollegiatstiftSt. Stephan. Für die Übergabe könnte an dessen Gründung um 1007/1009 oder an die Kirchweihe im Jahre 1020 gedacht werden; aber auch andere Anlässe wären vorstellbar.
Die Miniaturen der Bamberger Apokalypse sind sehr häufig durch (Teil-)Faksimiles der Handschrift reproduziert worden. Seit 2012 ist ein Digitalisat online verfügbar.
Am 26. Januar 2004 wurde die Bamberger Apokalypse zusammen mit neun weiteren Handschriften der Reichenauer Buchmalerschule in die Liste des Weltdokumentenerbes der UNESCO aufgenommen.[1]
Die Bamberger Apokalypse war zwischen Oktober 2012 und Januar 2013 in der AusstellungPracht auf Pergament in der Hypo-Kunsthalle in München zu sehen.[2]
Alois Fauser (Hrsg.): Die Bamberger Apokalypse. Sechzehn farbige Miniaturen auf Tafeln (= Insel-Bücherei 775). Insel, Frankfurt am Main 1962.
Gude Suckale-Redlefsen, Bernhard Schemmel (Hrsg.): Die Bamberger Apokalypse. Faksimile-Ausgabe der Handschrift Msc.Bibl.140 der Staatsbibliothek Bamberg. Faksimile- und Kommentarband. Faksimile-Verlag, Luzern 2000:
Heinrich Wölfflin: Die Bamberger Apokalypse. Eine Reichenauer Bilderhandschrift vom Jahre 1000. Zweite, vermehrte Auflage, Wolff, München 1921.
Ernst Harnischfeger: Die Bamberger Apokalypse. Urachhaus, Stuttgart 1981, ISBN 978-3-87838-311-6.
Gude Suckale-Redlefsen, Bernhard Schemmel (Hrsg.): Das Buch mit 7 Siegeln. Die Bamberger Apokalypse. Faksimile-Verlag, Luzern 2000, ISBN 978-3-447-04363-2.
Gude Suckale-Redlefsen: Die Handschriften des 8. bis 11. Jahrhunderts der Staatsbibliothek Bamberg. Harrassowitz, Wiesbaden 2004 (Katalog der illuminierten Handschriften der Staatsbibliothek Bamberg, Bd. 1,1 und 1,2), hier Bd. 1 (Texte), S. 90–100, 177–178; Bd. 2 (Abbildungen), S. 11, 18–20, 112–120.
Herwig Zens: Graphisches Nachdenken über die Bamberger Apokalypse. Herausgegeben von der Staatsbibliothek Bamberg durch Bernhard Schemmel und Werner Taegert. Staatsbibliothek Bamberg, Bamberg 2005, ISBN 978-3-924530-12-9.
Rubina Ballach: Die Bamberger Apokalypse. In: Caroline Zöhl (Hrsg.): Visionen vom Weltende. Apokalypse-Faksimiles aus der Sammlung Detlef M. Noack (= Universitätsbibliothek Ausstellungsführer, Nr. 50). Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 5. Juni 2010 bis 31. August 2010. Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, Berlin 2010, S. 28–31.
Werner Taegert: Bamberger Apokalypse und Evangelistar. In: Claudia Fabian, Christiane Lange (Hrsg.): Pracht auf Pergament. Schätze der Buchmalerei von 780 bis 1180. Hirmer, München 2012, S. 168–171, ISBN 978-3-7774-5391-0.